Andacht zum Männertreff am 09.06.20202

 

 

 

"Corona"

Ich versuche ja immer, wenn möglich, bei meinen regelmäßigen laientheologischen Einleitungen in das Thema einen Bezug zu Glaube oder Religion herzustellen. Manchmal ergibt sich dieser Bezug automatisch, z. B., wenn wir über das Vaterunser oder Ostern sprechen. Bei Corona gibt es so einen natürlichen Bezug nicht. Also muss ich irgendwie einen herstellen, auch wenn es vielleicht überhaupt keinen realen Bezug gibt. Aber da haben wir schon das erste Problem. Für viele, vermutlich die allermeisten Menschen, gibt es keinerlei Bezug zwischen dem Corona-Virus und der Religion. Bei dem Glauben sieht das schon wieder anders aus: Manche glauben, dass das Virus eine Riesenbedrohung darstellt und andere glauben, dass das Risiko minimal ist, gemessen an allen anderen Bedrohungen unseres menschlichen Lebens.

Ja, glauben kann man viel. Ich möchte mich hier allerdings auf den religiösen Glauben beschränken, also auf die Frage, ob das Virus etwas mit Gott zu tun hat. Vorher stellt sich mir aber schon wieder eine ganz andere Frage: Ist ein Virus eigentlich männlich oder sächlich, also heißt es jetzt „der Virus“ oder „das Virus“? In Berichten zum Corona-Virus geht das bunt durcheinander.  Zu meiner Zeit gab es in der Schule bei der Rechtschreibung eigentlich immer nur ein entweder - oder, also richtig oder falsch. Beides gleichzeitig ging nicht. Nach unzähligen Rechtschreibreformversuchen ist das nun aber ganz anders. Heute ist in der Rechtschreibung wohl fast alles dem jeweiligen Gefühl des Schreibers überlassen. So ist das auch bei dem Wort Virus. Man kann getrost „der“ oder „das“ Virus sagen oder schreiben, vielleicht auch in ständigem Wechsel, es ist immer alles richtig. Zumindest in diesem Punkt kann ich heute also keine Fehler machen.

Aber zurück zu unserem Thema, ehe ich es völlig aus den Augen verliere.

Meine Frage war: Hat Corona etwas mit Gott zu tun? Oder anders gefragt: Hat Gott etwas mit Corona zu tun? Erstaunlich viele Menschen und Institutionen haben sich mit diesem Thema beschäftigt. Im Internet kann man auf zig Seiten Artikel mit den beiden Begriffen „Gott“ und „Corona“ finden.

Einige wenige sagen, Gott habe das oder den Virus als Strafe oder als Weckruf geschickt, ganz viele andere fallen über diese Wenigen her und benutzen das gleich als Generalabrechnung mit dem christlichen Glauben überhaupt. Noch andere suchen andere Deutungen.

 Einige Zitate hierzu:

1. „Die beiden großen Kirchen in Deutschland wenden sich übereinstimmend gegen die These, das Coronavirus als Strafe Gottes zu sehen.“

2. „Gott kann doch alles! Er ist doch allmächtig! Warum macht er dann nicht „Schnipp!“ – und dieser verheerende kleine Virus, der Tausende von Menschen das Leben kostet, ganze Völker in Panik und Schockstarre versetzt hat und absehbar die Weltwirtschaft ruiniert, verschwindet im Giftschrank der Medizingeschichte?“
3. „Aber mal ehrlich: Wer im Alten Testament auf die Suche geht, der findet dieses Konzept durchaus: Gott straft – die Ägypter zum Beispiel durch Plagen, Naturkatastrophen und Krankheiten. An manch anderen Stellen werden ähnliche Zusammenhänge geschildert. Das Alte Testament kennt ganz klar diesen Zusammenhang von falschem Handeln und darauf folgender Strafe.“
4. „Was ist der Sinn dieser Corona-Epidemie? Die Anzahl der Antworten auf diese Frage entspricht der Anzahl der Menschen, die sie stellen. Mit dem Sinn ist es wie mit dem Glauben: Jeder Mensch muss seine eigene Antwort finden. Und niemand hat das Recht, einem anderen Menschen vorzuschreiben, welchen Sinn er darin zu finden hat. Es kann also durchaus sein, dass ein Mensch die Corona-Epidemie als Strafe für begangene Sünden deutet und Gott deshalb um Vergebung bittet. Das ist seine persönliche Deutung. Das Virus selbst macht keinen Unterschied zwischen guten und bösen Menschen.“
5. „Wir ertragen die Gleichgültigkeit und Willkür nicht, mit der Leid und Unglück unser Leben bedrohen, also suchen wir nach einem ‚roten Faden‘ Gottes. Die Wahrheit ist jedoch: Dem Virus ist egal, wie viele es ansteckt und an ihm sterben. Es ist Teil der Natur und hat weder einen eigenen Willen noch einen Strafauftrag.“

 

Meine Meinung hierzu ist: Gott hat natürlich etwas mit diesem Virus zu tun. Wenn er der Schöpfer der Welt ist, ist er auch Schöpfer des Corona-Virusses, wie auch aller anderen Viren, Bakterien und damit auch aller Krankheiten usw.. Was er sich dabei gedacht hat, weiß ich auch nicht.

Was ich aber glaube, ist: Diese Welt war nie als Paradies gedacht. Zu dieser Welt gehörten und werden auch zukünftig gehören: Leid, Krankheiten, Tod, Hunger, Hass, Gewalt und Ungerechtigkeit. Die Frage: Warum verhindert Gott das alles nicht? ist falsch. Gott hat die Welt genau so erschaffen. Warum sollte er das jetzt verhindern? Sie war nie anders. Jesus hat uns Wege aufgezeigt, wie wir manches davon ändern können. Was wir nicht ändern können an Leid und Elend, wird bleiben. Gott stellt nicht uns zuliebe seine Naturgesetze auf den Kopf. Er hat seinen Plan mit der Menschheit, und zu diesem Plan gehören auch Krankheit und Tod. Das Paradies auf Erden wird es nie geben. „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ Wir alle kennen diesen Spruch. Auch unser zukünftiges Paradies, in dem es kein Corona-Virus mehr geben wird, wird nicht von dieser Welt sein.

Trotzdem glaube ich, dass Gott diesem oder jenem in dieser Krise persönlich helfen wird, aber er wird diese und auch die nächste Pandemie nicht verhindern.

Verfasser des Textes: Walter Listringhaus

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Andacht zum Männertreff am 08.01.2019 (zum Jahresbeginn)

 

Das alte Jahr ist um, Jesus ist geboren, die Hirten hüten wieder auf den Hügeln um Bethlehem ihre Schafe, der Verkündigungsengel ist wieder in den Himmel geflogen und die himmlischen Heerscharen haben ihr „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens“ zu Ende gesungen, ja selbst die heiligen 3 Könige oder Weisen oder Magier sind schon wieder gen Osten gezogen. Alle sind wieder in der Normalität angekommen. Die Eltern freuen sich über den süßen Winzling, der da satt und trocken in der Krippe liegt und von weitgereisten wohlhabenden Fremdlingen mit wertvollen Geschenken bedacht wurde. Und nicht nur das. Die Eltern können es noch gar nicht glauben: Was haben die Weisen gesagt? Ihr süßer Kleiner ist ein König? Sie sind gekommen, um ihm die Ehre zu erweisen, sind dafür einen weiten und beschwerlichen Weg gereist. Am Himmel ist extra ein Stern für ihn aufgegangen. Unfassbar für die einfachen Handwerksleute aus Nazareth! Welch ein Wunder ist ihnen da geschehen! Noch nie haben sie von solch einem Wunder gehört und jetzt ist es ihnen widerfahren. Welch ein Glück! Jetzt möchten sie nur noch nach Hause und ihr Glück genießen.

Wenn da nur nicht dieser sehr ernst dreinschauende Engel gewesen wäre, der dem Vater Josef in der Nacht vor der Abreise im Traum erschien. Was erzählt der da? Das kann doch nicht wahr sein! Sämtliche Seifenblasen des Glücks zerplatzen in einem Moment. Angst überdeckt alle Freude. Noch einmal wiederholt der Engel seine unmissverständliche Aufforderung: „Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten.“ Was nun? Der Befehl ist alternativlos. Das Kind soll leben. Also fliehen die Eltern, wie alle Eltern der Welt, die von solch einer Bedrohung aus sicherer Quelle erfahren hätten.

Was hätten wir getan? Wären wir auch geflohen? Natürlich – denken wir jetzt alle. Aber würden wir auch unsere Heimat, unsere Arbeit, unsere Familien, unsere Sicherheit stehenden Fußes verlassen, nur weil wir im Traum ein Flügelwesen gesehen haben, das uns solche Geschichten erzählt und angeblich die üblen Gedanken des fernen Königs lesen kann? Würden wir unseren Nachtträumen so einen Wahrheitsgehalt zugestehen? Seien wir mal ehrlich: Wer von uns würde deswegen wirklich morgen früh seine Koffer packen, fliehen und 690 km entfernt einige Jahre auf eine erneute Erscheinung dieses Flügelwesens warten? So etwas tut man nur, wenn man glaubt, zutiefst glaubt und vertraut. Josef und Maria haben so an ihren Gott und seine Boten geglaubt und damit das Leben ihres Kindes gerettet.

Dieses Kindes, das später selbst Wunder vollbrachte und zu den von ihm Geheilten sagte: “Dein Glaube hat dich gerettet!“

Ja, der Glaube ist kein Allheilmittel, aber er kann viel bewirken. Auch bei uns. Vielleicht nehmen wir uns ein kleines Beispiel an diesen Eltern aus Nazareth in Galiläa vor 2000 Jahren.

 Walter Listringhaus

 

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Die Lebenswanderung

 

Und ob ich schon wanderte …

 

Wandern … die ersten Schritte. Mühsames sich irgendwo-dran-hochziehen. Stehen, schwanken, loslassen, hinfallen, wieder hochziehen, schwanken, loslassen, hinfallen. Erneut versuchen, langsam sicherer werden, ein Schritt, zwei Schritte, laufen …

 

Und ob ich schon wanderte …

 

Wandern .. heraus aus dem Nest. Betreuung durch Fremde, weinen, Neues entdecken, Gemeinschaft lernen. Wandern in die Kinderwelt, in die Welt da draußen, ohne Mama oder Papa. Manchesmal einsam sein. Wandern in die Schule, lernen, lernen, lernen. Gedanken wandern oft auf und davon, träumen von Wegen ins Leben: Wo wandere ich hin?

 

Und ob ich schon wanderte …

 

In die Liebe. Jede freie Stunde mit der Freundin verbringen. In den Streit mit den Eltern, mit sich selbst, mit der ganzen Welt. Wandern auf der Suche. Sich dabei immer im Wege stehen. Unterwegs zwischen hier und nirgendwo. Ernüchterung, Frust. Das Leben stellt Forderungen. Irgendwovon muss ich leben. Visionen machen nicht satt. Wandern von Lehrherr zu Lehrherr, von Uni zu Uni, von Arbeitsamt zu Arbeitsamt. Irgendwann diesen Weg gefunden.

 

Und ob ich schon wanderte …

 

Mit eigener Familie, mit Frau, mit Kindern. Verantwortung tragen. Anderen das Wandern zeigen. Berge erklimmen und Täler durchschreiten, auch die Täler der anderen. Mitfühlen, mitleiden. Zum ersten Mal die eigene Endlichkeit spüren. Sich auf das Wesentliche besinnen. Immer weiterwandern, auch wenn die Schritte schwerer werden. Schmerzen ertragen, Freude bewusster genießen. Rückschläge hinnehmen, an Problemen wachsen. Das Leben trotzdem schön finden. Sich auf die Enkel freuen. Ihnen das Wandern beibringen.

 

Und ob ich schon wanderte …

 

Lebenstage werden kürzer. Alles fällt schwerer. Ruhestand ist schön, aber nicht nur. Bin ich den richtigen Weg gewandert? Gott schenkt die Freude und das Glück. Ist es nicht auch seine Aufgabe, uns immer die Straße zu ebnen? Warum legt er uns Steine in den Weg? Warum werde ausgerechnet ich krank? Oder noch schlimmer: Die, die ich liebe? Und die Wanderung ist noch nicht zu Ende. Leben von Tag zu Tag, trotzdem jedes Stück Glück genießen. Wenn es gelingt, auch auf dem Rest der Wanderung. In der Hoffnung, dass dann jemand da ist, der uns führt, der uns hilft, am Ziel anzukommen. In der Hoffnung, dass es dann noch einen weiteren Weg gibt.

(Wortbeitrag zum Gottesdienst am Männersonntag, d. 16.10.2016, Verfasser W. Listringhaus)

 

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<h1>Was ich glaube ...</h1>

 

Ich kann nicht glauben

an das Nichts,

an das "Sein" ohne "Sinn",

an die absolute Leere.

 

Ich kann nicht glauben,

dass das Leben ein Fluch ist,

der durch alle Zeiten hindurch

Millionen von Menschen heimsucht.

 

Ich nehme an,

dass das Unsichtbare unendlich

viel größer ist als das Sichtbare.

 

Ich bin sicher,

dass im Kern der unsichtbaren Welt,

ohne die Grenzen von Raum und Zeit,

ein Wesen gegenwärtig ist,

das die sichtbare Welt

mit unsichtbaren Fingern bewegt.

 

(von Phil Bosmans)

 

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Andacht zum Männertreff am 08.08.2017

Thema: „Bier, ein besonderer Saft“

Wir haben gestern eine sehr traurige Nachricht erhalten. Ein unserem Kreis nahestehender Mensch ist überraschend verstorben. Ja, das Dasein auf dieser Erde bringt tragischerweise auch immer wieder Schicksalsschläge mit sich, die das Leben plötzlich grundlegend verändern können. Wir haben uns ja vor einiger Zeit mal diesem Thema gewidmet. Damals ging es um Krankheiten, aber, wie wir gerade sehen, können auch andere Ereignisse uns „aus der Bahn werfen“. Wir müssen dann versuchen, auch damit weiter zu leben. Niemand von uns weiß, was morgen geschieht, sei es schön oder schlimm. „Iss und trink, denn morgen bist du tot“ sagt ein alter Spruch, ich glaube, er stammt sogar aus dem Alten Testament. Das ist natürlich nicht wörtlich zu nehmen, aber es soll uns wohl eines klar machen: In den Zeiten, in denen wir von schlimmen Ereignissen verschont werden, sollen wir das Leben genießen. Wir dürfen es uns schön machen, etwas Nettes unternehmen, Freude am Leben haben, Dinge tun, die uns erfreuen, etwas Leckeres essen oder trinken usw. usw.. Ich erinnere mich da an den Ausspruch eines Dozenten während meines Studiums, der krebskrank war und nicht mehr lange zu leben hatte. Er sagte, sein Motto sei: „Make the best of it“ (mach’s Beste draus), und genoss das Leben, soweit es ihm möglich war. Er empfahl uns, es auch so zu tun. Ja, wir wollen und können das Leben genießen. Jesus sagte einmal: „Auch durch all euer Sorgen könnt ihr eures Lebens Länge keine einzige Elle hinzufügen.“ Es ist wichtig, uns nicht unnötige Sorgen zu machen.

Wir können die Wohltaten des Lebens genießen, solange wir es nicht übertreiben. Auch Jesus war kein Asket. Er hat Wein getrunken und Fleisch gegessen und vermutlich hat er es auch genossen. Er hat es z. B. in Matth. 11, Vers 19 so ausgedrückt: „Der Sohn des Menschen ist gekommen, der isst und trinkt; da sagen sie (die Pharisäer und Schriftgelehrten): Siehe, ein Fresser und Weinsäufer.“

 Selbst im Himmel will Jesus nicht auf den Genuss des Weines verzichten. Ihr stutzt jetzt? Warum sonst hätte er wohl gesagt: „Von dieser Frucht des Weinstocks werde ich nicht mehr trinken, bis ich es erneut trinken werde im Reich meines Vaters“? Und er wird den Wein wohl dort nicht allein trinken. Ist es ketzerisch, zu glauben, dass Jesus dort zusammen mit seinem Vater ein gutes Glas himmlischen Wein trinkt? Seine eigenen Worte legen das durchaus nahe. Ich jedenfalls halte es für möglich.

Aber es geht heute Abend ja nicht um Wein, werdet ihr vielleicht denken. Ja, es geht heute um Bier. Ich weiß nicht, ob Jesus Bier getrunken hat. In der Bibel kommt das Wort Bier nur 16mal vor, ausschließlich im Alten Testament, das Wort Wein dagegen 1.543mal. Da es sich jedoch in beiden Fällen um leicht alkoholische Genussgetränke handelt und im Alten Testament Wein und Bier öfter in einem Atemzug genannt werden (z. B. im Buch Sirach: „Wein und Bier erfreuen das Herz“.), denke ich, dass es da durchaus Parallelen gibt und habe mich daher dem ergiebigeren Thema „Wein“ gewidmet. Letztlich ging es mir ja darum, zu zeigen, dass auch wir als Christen durchaus die Wohltaten des Lebens genießen können und sollen, um auch auf diese Weise Kraft zu tanken für die Schicksalsschläge unseres Daseins. Neben der größeren Kraft, die aus dem Glauben kommt.

 

Verfasser:  W. Listringhaus 08.08.2017

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Andacht zum Männertreff am 14.09.2015

 

„Flüchtlinge auch in Neuenrade“, unser Thema für den heutigen Abend. Ein Thema, das sehr viele – vor allem Deutsche – gerade jetzt sehr bewegt. Es kommen sehr viele Menschen aus weit und sehr weit entfernten Ländern nach Deutschland. Ist das gut? Ist das schlecht? Für sie? Für uns? Schwer zu beantwortende Fragen. Am vergangenen Sonntag zum evang. Gemeindesommerfest hat Pfarrer Dieter eine Predigt gehalten. Darin kam die Geschichte vom Turmbau zu Babel vor.

 

Der Turmbau zu Babel

1. Mose 11

Der Turmbau zu Babel

1 Und die ganze Erde hatte ein und dieselbe Sprache und ein und dieselben Wörter.  

2 Und es geschah, als sie von Osten aufbrachen, da fanden sie eine Ebene im Land Schinar und ließen sich dort nieder.

3 Und sie sagten einer zum anderen: Wohlan, lasst uns Ziegel streichen und hart brennen! Und der Ziegel diente ihnen als Stein, und der Asphalt diente ihnen als Mörtel.

4 Und sie sprachen: Wohlan, wir wollen uns eine Stadt und einen Turm bauen, und seine Spitze bis an den Himmel! So wollen wir uns einen Namen machen, damit wir uns nicht über die ganze Fläche der Erde zerstreuen!  

5 Und der HERR fuhr herab, um die Stadt und den Turm anzusehen, die die Menschenkinder bauten.  

6 Und der HERR sprach: Siehe, ein Volk sind sie, und eine Sprache haben sie alle, und dies ist erst der Anfang ihres Tuns. Jetzt wird ihnen nichts unmöglich sein, was sie zu tun ersinnen.

7 Wohlan, lasst uns herabfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass sie einer des anderen Sprache nicht mehr verstehen!  

8 Und der HERR zerstreute sie von dort über die ganze Erde; und sie hörten auf, die Stadt zu bauen.  

9 Darum gab man ihr den Namen Babel; denn dort verwirrte der HERR die Sprache der ganzen Erde, und von dort zerstreute sie der HERR über die ganze Erde.

 

Die Predigt hat mich auf die Idee gebracht, diese Geschichte auch für meine kleine Andacht zum heutigen Männertreff zu verwenden. Was hat das mit unserem Thema zu tun? werdet Ihr euch fragen. Ich frage mich das irgendwie auch. Es ist auch eigentlich nur ein Gedanke aus dieser Geschichte, der mich zum Thema „Flüchtlinge“ angesprochen hat. Beim Turmbau zu Babel sprachen die Menschen ursprünglich eine Sprache und Gott hat Ihre Sprache verwirrt, was dazu führte, dass sie ihr größenwahnsinniges Vorhaben nicht beenden konnten. Bei uns und den Flüchtlingen ist das nicht so. Wir sprechen völlig unterschiedliche Sprachen. Aber wir wollen mit denen von Ihnen, die berechtigt eingewandert sind, ein gemeinsames Haus bauen. Wir haben keine andere Wahl. Sie sind hier und die meisten von Ihnen werden bleiben. Aber wird uns das gelingen? Hier komme ich wieder zurück zu der biblischen Geschichte. Den Menschen damals ist es nicht gelungen, den Turm und die Stadt zu bauen. Sie sprachen nicht dieselbe Sprache. Werden die Flüchtlinge und wir jemals dieselbe Sprache sprechen? Ich meine das im weiteren Sinne. Sicher werden die meisten der Flüchtlinge früher oder später deutsch sprechen und wir werden uns verständigen können. Aber zum Bau eines gemeinsamen Hauses gehört eben nicht nur, das man sich verständigen kann. Man muss, um das Gelingen dieses Vorhabens zu erreichen, schon mehr Gemeinsamkeiten haben. Z. B. gemeinsame Vorstellungen über Werte, über politische Werte, über kulturelle Werte, über ethische Werte, idealerweise auch über religiöse Werte. Über die Vorstellungen des Zusammenlebens, in der Ehe, in der Familie, in der Gesellschaft, über das Verhalten in der Solidargemeinschaft Deutschland oder auch Neuenrade. Über Toleranz und Rücksichtnahme.

Von den zugewanderten Menschen sind hier sicherlich größere Anstrengungen nötig. Unsere Gesellschaft wurde im wesentlichen von uns, den hier Geborenen, und unsern Vorfahren geprägt. Ich denke, dass sollte auch so bleiben. Wir wollen auch in Zukunft noch hier zuhause sein und uns nicht als Fremde im eigenen Land fühlen.

Ja, Ihr habt richtig gehört. Ich habe das wirklich so gesagt und auch so gemeint! Ihr könnt das anders sehen. Aber die Zahl der Menschen, die jetzt zu uns kommen, übersteigt jede bisherige Vorstellung. Und erst recht die Zahl der Menschen, die noch kommen wollen. Welche Herausforderung das bedeutet, können wir nur ahnen. Ja, wir wollen verfolgten Menschen, die Angst um Leib und Leben haben müssen, helfen. Das ist auch Christenpflicht. Aber das gemeinsame Haus wird nur zu bauen sein mit großen Anstrengungen von beiden Seiten. Es kann nur klappen, wenn es wirklich ein gemeinsames Haus wird. Weitere Parallelgesellschaften dürfen dabei nicht entstehen. Einer Willkommenskultur muss man sich letztlich auch würdig erweisen. So sehe ich das.

 

06.09.2015

Walter Listringhaus   

 
       

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Andacht zum Männertreff am 09.03.2015

Ökumene - was geht?

Pater Matthias war vor etlichen Jahren, kurz nachdem er als katholischer Pfarrer nach Neuenrade kam, eingeladen worden zu einem Gespräch im Rahmen des damals noch stattfindenden „Talk im Turm“ in der evang. Kirche.

Er hat sich dort vorgestellt und uns mit seinen Ansichten zur Ökumene ziemlich überrascht. Er sagte z. B. sinngemäß: „Wir (die kath. und die evang. Kirche) können es uns heutzutage gar nicht mehr erlauben, getrennt zu wirken, auch im Hinblick auf die besonderen Herausforderungen durch andere Religionen wie den Islam. Die Verwirklichung der Ökumene ist eins der wichtigsten Anliegen.“

Er sagte, dass die Kirchengemeinden vor Ort zusammenwachsen müssten und dass sich z. B. die evang. Christen an der Finanzierung des Anstriches der kath. Kirche beteiligen könnten und die kath. Christen entsprechend auch bei Vorhaben der evang. Kirche.

Ich hielt diese Vorstellungen für ziemlich revolutionär, insbesondere von einem katholischen Geistlichen. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass er mit seiner Aussage zur Notwendigkeit des Zusammengehens völlig Recht hatte und hat. Ich hatte ihn letztes Jahr zu diesem Thema zum Männertreff eingeladen. Durch seine Versetzung kam es aber dann doch nicht mehr zu seinem Besuch. Freundlicherweise hat sich sein Nachfolger, Pater Kamil, nun bereit erklärt, unserer Einladung zu folgen. Ich begrüße ihn hiermit herzlich.

Bei der Vorbereitung dieses Abends sind mir noch folgende Gedanken gekommen:

Jesus würde vermutlich über die hochtheologischen Diskussionen, die heute um das Thema Ökumene und die entsprechenden Auslegungen seiner Lehre geführt werden, heftig den Kopf schütteln.

Als ich mich mit dem Thema Ökumene und mit den tatsächlich bestehenden Glaubens-Unterschieden zwischen kath. und evang. Kirche und darüber hinaus auch noch zwischen lutherischer und reformierter Kirche beschäftigt habe, bin ich sehr mutlos geworden. Um welche theologischen Spitzfindigkeiten da mit welcher Intensität gestritten wird, hat mich als Laien total erschreckt. Viele Glaubenssätze waren mir bisher völlig unbekannt, obwohl ich mich mit dem Glauben seit Jahrzehnten beschäftige und mich für einen gläubigen Christ gehalten habe. Welcher Laie soll unseren Glauben noch verstehen? Hat Jesus das wirklich gewollt? Theologendiskussionen, die kein normaler Gläubiger auch nur annähernd verstehen kann? Geht es nicht auch ein bisschen einfacher?

 

Bei meinen Recherchen fiel mir ein Gebet von Martin Luther in die Hand, das mir wieder etwas Hoffnung gab. Vielleicht hülfe es ja, wenn alle Christen dieses Gebet beten würden. Vielleicht würde Gott ein Einsehen haben und uns durch den von Jesus verheißenen Geist der Wahrheit, der uns in alle Wahrheit leiten sollte, zurückführen zu den Wurzeln der eigentlich ganz einfachen Lehre Jesu.

 

Gebet Martin Luthers für die Einheit der Kirche

O Du ewiger, barmherziger Gott,
Du bist ein Gott des Friedens, der Liebe und der Einigkeit,
nicht aber des Zwiespalts.
Weil aber Deine Christenheit Dich verlassen hat und von Deiner Wahrheit gewichen ist,
hast Du sie sich teilen und trennen lassen,
auf dass sie mit ihrer vermeintlichen Weisheit in der Uneinigkeit zu Schanden würde
und zu Dir zurückkehre,
der Du allein Einigkeit gibst.
Wir armen Sünder bitten Dich:
Du wollest durch den Heiligen Geist alles Zerstreute zusammenbringen,
das Geteilte vereinigen und ganz machen,
auch uns geben, dass wir Deine einige, ewige Wahrheit suchen,
von allem Zwiespalt abweichen,
dass wir eines Sinnes und Verstandes werden,
der da gerichtet sei auf Jesum Christum, unsern Herrn,
damit wir Dich, unsern himmlischen Vater,
mit einem Munde preisen und loben mögen
durch unsern Herrn Jesum Christum im Heiligen Geist.
Amen.

(Verfasser der Andacht: W. Listringhaus)

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